Grundschulforschung

FUN - FÖRDERUNG UND NACHHILFE

Studien wie IGLU oder TIMSS zeigen, dass Kinder an deutschen Grundschulen teilweise hohe Lernrückstände aufweisen. So erregten beispielsweise die Ergebnisse aus IGLU 2021 Aufsehen, nach denen ein Viertel aller Viertklässler*innen den Mindeststandard in der Lesekompetenz verfehlen, den sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich haben müssten (McElvany et al., 2023), ähnlich zeigt sich in TIMSS 2023, dass nur etwa ein Viertel der Viertklässler*innen die untersten beiden Kompetenzstufen beim Rechnen erreicht (Schwippert et al., 2024). Diese Lernrückstände erreichten insbesondere während der Corona-Pandemie noch einmal dramatische Höchststände. Gerade jüngere Kinder und solche aus herausfordernden sozialen Lagen hatten Schwierigkeiten, zuhause und allein zu lernen (SWK, 2021). Auf eine von uns im Frühjahr 2021 durchgeführte Anfrage berichteten beispielsweise 30 Wuppertaler Grundschulen für über 1300 Kinder der 1. bis 4. Klassen schwere Lernrückstände im Lesen, Schreiben und Rechnen, für die die betroffenen Kinder zusätzliche intensive Förderung benötigen würden.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK, 2021) empfahl für die in diesen und anderen Schulen dringend benötigten Fördermaßnahmen eine Fokussierung auf a) besonders betroffene Gruppen, b) Übergangsphasen und c) Basiskompetenzen. Ein zentrales Kriterium für die Qualität von Fördermaßnahmen ist der SWK zufolge eine entsprechende Qualifizierung der Personen, die solche Fördermaßnahmen durchführen. Weiterhin müsse die jeweilige Lernausgangslage diagnostiziert und ein Monitoring des Lernfortschritts erfolgen.

Mit „FUN – Förderung und Nachhilfe“ setzen wir diese Kriterien seit 2021 im Rahmen einer Kooperation mit sieben Wuppertaler Grundschulen, an denen kontinuierliche Fördermaßnahmen stattfinden, um. Dabei belegen angehende Grundschullehrkräfte das Wahlpflichtmodul „Heterogenität und individuelle Förderung“. Hier erwerben die Studierenden zunächst über ein Semester Kenntnisse zur Diagnose und Förderung von Rechenfähigkeiten und Schriftspracherwerb. Sie erarbeiten im nachfolgenden Vertiefungsseminar Förderkonzepte und setzen diese an einer der Kooperationsschulen mit einer konkreten Fördermaßnahme für Kinder mit Lernrückständen um. Dabei bezieht sich die Förderung nicht nur auf das Lesen, Schreiben und Rechnen selbst, sondern es werden auch Prädiktoren von Lernerfolg, wie Motivation, Selbstkonzept und kognitive Belastung fokussiert.

Seit dem Start des FUN-Projekts im Sommersemester 2021 konnten auf diese Weise bislang (Stand Frühjahr 2026) etwa 750 Kinder durch etwa 320 Studierende gefördert werden. Während die Förderung in der Pandemie noch sehr flexibel entweder an den Schulen, im Zuhause der Kinder oder auch in Räumlichkeiten der Universität erfolgte, ist sie mittlerweile primär in die Organisation der Nachmittagsbetreuung der Schulen integriert. Die Förderung erfolgt dabei ergänzend zum Unterricht, findet ein- oder zweimal in der Woche statt und wird in Absprache mit den Klassen- und Fachlehrkräften organisiert (u. a. hospitieren die Studierenden vor Beginn der Förderung in den Klassen und sprechen Förderinhalte ab). Im Schnitt wird dabei jedes Kind für etwa 30 Schulstunden gefördert. Mit diesem Vorgehen setzen wir wichtige Forderungen der SWK um, gleichzeitig erfordert dies in der Praxis ein hohes Engagement seitens der Schulen und der Studierenden. Die Schaffung verlässlicher Kommunikationsstrukturen und Absprachen zum Vorgehen haben sich als dafür notwendig, aber auch gewinnbringend erwiesen. An den Schulen können zweimal im Jahr (das heißt in der Regel jeweils über den Verlauf eines Schulhalbjahres hinweg) Förderphasen angeboten werden. Durch regelmäßige Netzwerktreffen und eine kooperative Umsetzung des Projekts, insbesondere die intensive und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Schulen, der FUN-Koordination und den Studierenden, wirkt sich die Teilnahme am Projekt auch auf Aspekte der Schulentwicklung aus. Studierende können bereits früh in ihrem Studium theoretisches Wissen in der Praxis anwenden und werden dabei engmaschig begleitet. Für die teilnehmenden Kinder zeigt sich, dass die Fördermaßnahmen dazu beitragen konnten, stetige kleinschrittige Zuwächse zu erwirken und dass langfristige Teilnahme eine kontinuierliche Förderung ermöglicht, sodass auch nach Abschluss einer Förderphase Fähigkeiten erhalten bleiben bzw. zunehmen können.

Aufgrund des vorgenannten Erfolges wird FUN auch in Zukunft weitergeführt werden, und wir freuen uns, die seit nunmehr über fünf Jahren bestehende vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren sieben engagierten Kooperationsschulen fortzusetzen und weiterhin Kinder mit Fördermaßnahmen unterstützen zu dürfen. Dafür bedanken wir uns herzlich bei der

Gemeinschaftsgrundschule Eichenstraße

Gemeinschaftsgrundschule Germanenstraße

Gemeinschaftsgrundschule Haarhausen

Offenen Ganztagsgrundschule Liegnitzer Straße

Gemeinschaftsgrundschule Opphofer Straße

Grundschule Reichsgrafenstraße

Städtischen Evangelischen Grundschule Sophienschule.

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie gern die FUN-Koordinatorinnen Prof. Dr. Claudia Kastens und Dr. Maria Opfermann.